Jahrhunderte lang lebte die hiesige Bevölkerung in Unmündigkeit und Leibeigenschaft. Sie mussten Frondienste leisten, hatten gefälligst hart zu arbeiten. Sie wurden in Unkenntnis gehalten, konnten weder schreiben noch lesen oder gar rechnen. Keine Rechte, nur Pflichten.

Eigenständigkeit war verboten, wer aufmuckte, riskierte Leib und Leben. Und wer sich nicht daran hielt, dem blieb nichts anderes übrig als in die Wälder zu gehen, als Gesetzloser zu leben.

Wegen dieser sozialen und gesellschaftlichen Knebel war nur ein Dahinvegetieren möglich. Die Menschen wurden und waren mutlos, nahmen alles hin.

Die Entwicklung in den Städten brachte die Bewohnern schon früher in den Genuss der Eigenständigkeit. Eigene Parlamente, mächtige Gilden machten das Leben in den Städten sicherer und freier. Aber diese Entwicklung ging an dem Bauernstand gänzlich vorbei 

Aber dann traten die Philosophen auf den Plan. Der Anspruch des Absolutismus´ geriet durch die Aufklärung ins Wanken. Da stand der einzelne Mensch plötzlich im Zentrum der Betrachtungen.

Stein hatte im Zuge seiner Arbeit für den preußischen Staat die Bauern auf den königlichen Domänen erlebt, wo die Leibeigenschaft bereits aufgehoben war. Stein beobachtete, wie die freien Bauern sich intensiver ihrer Arbeit widmeten, ihnen war es nun nicht mehr egal, was passierte. Er sah das Engagement, die Übernahme von Verantwortung, das Aufblühen des Landes – ganz sicher waren diese Beobachtungen Anstoß für seine Reformen.

In der Zwischenzeit war Napoleon über Preußen gekommen. König und die Verwaltung zogen sich geschlagen nach Tilsit zurück.

Im Januar 1807 wurde Stein vom König aus dem Staatsdienst entlassen. Auf Intervention von Königin Luise wurde er im Oktober im gleichen Jahr wieder als Staatsminister eingestellt. In dieser „arbeitslosen“ Zeit entwickelte Stein die berühmte Nassauer Denkschrift. Darin wird unter anderem unmissverständlich die Selbstverwaltung gefordert, die Teilnahme der Bürger am Staat. Erste Reformen folgten dann nach Amtsantritt: Aufhebung der Erbuntertänigkeit, Befreiung vom Frondienst und Gesetze über Berufs- und Gewerbefreiheit.

 

Auch hier in Frücht konnten die Bewohner nun Land in bescheidenem Ausmaß erwerben konnten Geld verdienen, unter anderem im Bergbau, der in Ems, Friedrichssegen und Braubach florierte. Stein ließ in Frücht eine neue Schule bauen, die alte Schule war nur eine baufällige Kate, wobei er das Land zur Verfügung stellte und die Früchter fleißig mithalfen. Die Kinder wurden angehalten schreiben und lesen zu lernen, zu beten und zu singen. Rechnen stand nicht auf dem Stundenplan.

Ab dem 11. November 1810 sollte es nur noch freie Leute geben, Bauern mit vollem Eigentumsrecht auf ihr Grundstück, ohne Dienst- und Treueverpflichtungen gegenüber dem einstigen Grundherrn.